Tja, das hier ist so eine Art Blog. Oder Tagebuch. Oder Pinnwand. Oder Notizbuch. Oder ... Ach, keine Ahnung. Jedenfalls ist es die Antwort auf die häufige Frage, wie denn das Leben einer Krimiautorin eigentlich wirklich aussieht. Bis mittags schlafen, Kaffee und Zigarette zum Frühstück, dann weiter mit Alkohol und bis in die Nacht im Schaffensrausch schreiben? Naja, bei mir ist es, ehrlich gesagt, anders ;-))
Ein paar Eindrücke bekommen Sie hier.

20. Februar 2010

Ich verstehe mich wirklich gut mit meinem Mann und er ist sehr aufmerksam und hilfsbereit. Trotzdem war mir klar, dass etwas passiert sein musste, als er mir heute Mittag, als ich bepackt vom Markt nach Hause kam, die Tür aufmachte und den Rucksack abnahm. (Er hatte währenddessen geputzt - dies sei nur gesagt, bevor ihm Chauvinismus unterstellt wird, weil er mich einkaufen schickt...)
Sein breites Lachen ließ mich immerhin hoffen, dass der Grund, der ihn zwecks schnellster Begrüßung der heimgekehrten Ehefrau an die Tür trieb, kein trauriger sei. und dann zog er ein Blatt Papier hinter dem Rücken hervor. Ich sah drei Dinge auf Anhieb: Erstens: Das Schreiben trug den Absender des SYNDIKATs. Zweitens: An prominenter Stelle standen die Worte Kühlfach 4 - Jutta Profijt. Drittens: »... nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis 2010.«
Wir haben noch in der offenen Tür einen nicht sehr graziösen, nicht sehr rhythmischen aber sehr, sehr wilden Tanz aufgeführt. (Mein Mann humpelt seitdem ein bisschen.)
Ich bin dann nochmal raus in die Kälte, um Sekt zu besorgen. Tja dann: Prost!

21. Januar 2010

Die letzten zwei Tage waren anstrengend, aber super. Erst Dienstagmittag nach Hannover, Ankunft mit leichter Verspätung gegen 17 Uhr. Abends um 19:30 Uhr Lesung in der Buchhandlung Leuenhagen & Paris. Die Herren Klaus und Dirk Eberitzsch sind unermüdliche Lesungs-Veranstalter, die fast jede Woche einen Gast in ihre extra dafür ausgestattete Lesungsetage bitten. Demnächst kommt Richard von Weizsäcker zum dritten Mal, alle großen Namen sind schon da gewesen oder haben sich angekündigt - kein Wunder, die Herren sind ausgesprochen gastfreundlich! Auf dem Rückweg bin ich in Dortmund aus dem verkürzten und daher ziemlich überfüllten ICE gestiegen und habe einige Stunden in der Stadtbibliothek gearbeitet (ja, die Abgabefrist für das nächste Kühlfach rückt näher!). Den Abend verbrachte ich dann im WDR 2 Studio. In der Sendung Servicezeit standen die Zeichen auf Krimi. Zwei Stunden durfte ich mit Moderatorin Heike Knispel über Tatorte in NRW plaudern. Ich war begeistert, eine der Stimmen, die ich sonst nur aus meinem Radio kenne, endlich persönlich kennenzulernen!

11. Januar 2010

Das neue Jahr geht gleich mit einem Paukenschlag los: Kühlfach 4 ist unter die 10 besten deutschsprachigen Kriminalromane des Jahres 2009 gewählt worden. Ich bin völlig sprachlos. Außerdem werde ich am 20. Januar von 19:05-21:00 Uhr live in der WDR-2 Radiosendung Servicezeit sein. Zwei neue Lesungstermine zwischen Mitte Mai und Mitte Juni werfen ihre Schatten voraus und ich schreibe mit Hochdruck am dritten Kühlfach-Roman, damit die ungeduldigen Leserinnen und Leser nicht unnötig lang warten müssen. Der fulminante Jahresbeginn mit so vielen tollen Neuigkeiten ist erfreulich - aber lange halte ich so etwas nicht durch. Eine leichte Beruhigung käme jetzt mal ganz gelegen, aber das wird sich wohl erst im Februar realisieren lassen. Wenn um mich herum das Rheinland im Karnevalstaumel versinkt, hocke ich glücklich und zufrieden am Schreibtisch. In der jecken Zeit gibt es keine Lesungen, dann kann ich ganz konzentriert arbeiten. Auf die beiden Lesungen, die vorher noch stattfinden, freue ich mich allerdings schon: Hannover und Düsseldorf erwarten Pascha im Januar. Details finden Sie unter der Rubrik Termine.

24. Dezember 2009

Ein halber Arbeitstag liegt noch vor mir, bis ca. 15 Uhr muss ich fleißig schreiben, damit der Abgabetermin für die Fortsetzung der Kühlfach-Reihe nicht in Bedrängnis gerät. Aber danach ist Weihnachten. Wenigstens für ein paar Tage mal nicht vor dem Computer sitzen! Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Weihnachtsfest mit Plätzchen und Geschenken - aber vor allem mit lieben Menschen.

12. Dezember 2009

Die letzte Lesung des Jahres liegt hinter mir. Gestern Abend war ich dort, wo im Oktober 2003 alles begonnen hat: In der mittelalterlichen Krypta des Gladbacher Münsters. Die Krypta ist natürlich nicht mehr in mittelalterlichem Zustand sondern toll saniert - ein Raum mit ganz erhabener Atmosphäre, dem Pascha mit seinen Rüpeleien nichts anhaben konnte. Zwischen meiner ersten und meiner aktuellen Lesung in der Krypta liegen sechs Jahre, in denen aus dem Hobby mein Beruf wurde. Angesichts des Ortes musste ich an die Anfänge zurückdenken und daran, dass ich damals nie im Traum geglaubt hätte, mal eine richtige, hauptberufliche Autorin zu sein. Und heute könnte - oder will - ich mir nichts anderes mehr vorstellen!

Natürlich war die Lesung gestern Abend alles andere als besinnlich. Vielleicht hat dieses »Kontrastprogramm« so viele Leute angelockt, die eine Pause vom Adventsliedersingen, Weihnachtsfeierfuttern und Jingle-Bells-Gedudel in den Kaufhäusern brauchten. Jedenfalls haben sich meine Befürchtungen, dass vor Weihnachten niemand mehr Zeit für eine Lesung hat, nicht bewahrheitet. Und spendabel waren die Zuhörer auch: Die Gemeinschaft Lebendiges Münster freut sich über die Spenden, die statt Eintrittsgeldern zusammengekommen sind.

Jetzt könnten Sie meinen, ich verbrächte den Rest des Jahres mit dem Schmücken meines Weihnachtsbaums oder mit dem Absingen traditioneller Weihnachtslieder, aber da liegen Sie falsch. Ich arbeite nämlich mit Hochdruck an der Fortsetzung der »Kühlfach-Reihe«. Das bedeutet, dass meine Arbeitstage ziemlich lang sind und ich dafür aber jetzt schon weiß, was Pascha, Martin & Co. Ende 2010 so alles erleben und erleiden müssen. So lange dauert es nämlich noch, bis das Buch erscheinen wird. Schade? Finde ich auch! Aber erst muss es ja mal geschrieben werden, also haben Sie bitte noch etwas Geduld.

21. November 2009
Professor Rothschild

Am 10. November konnte ich endlich an den »Tatort« zurückkehren: Ich habe im Institut für Rechtsmedizin der Uni Köln gelesen! Aber ich war nicht allein. Mein »Informant« im Institut, Dr. Frank Glenewinkel, sowie der Direktor des Instituts, Prof. Dr. Markus A. Rothschild (Bild links), waren auch da. Professor Rothschild hat in seiner Einleitung die Unterschiede zwischen Fiktion und Wirklichkeit der Rechtsmedizin erläutert und auch nach der Lesung noch viele Fragen aus dem Publikum beantwortet. Und dann gab es die seltene Gelegenheit, die Prosektur zu besichtigen. Niemand hat gekniffen. In zwei Gruppen sind die Zuhörer mit Dr. Glenewinkel und Prof. Rothschild die Rampe hinuntergegangen, die zur »Leichenannahme« führt, haben die Kühlfächer und den Sektionssaal besichtigt. Allzuviel Fantasie ist an solchen Orten eher schädlich, aber die professionellen Erläuterungen der beiden Fachmänner haben uns immer wieder in die Realität zurückgeholt: Die Rechtsmedizin ist keine obskure Leichenfledderei sondern eine sehr notwendige Wissenschaft, bei der die Lebenden von den Toten lernen. Beide Herren leugnen übrigens weiterhin Paschas Existenz in ihrem Institut...

8. November 2009
Arno van Rijn

Am 6. November habe ich im Bestattungsinstitut Kühlen in Mönchengladbach gelesen. Die Lesung war Teil der Mönchengladbacher Krimitage, die von der Stadtteilbibliothek Rheydt und dem BIS organisiert werden. "Mister Krimitage" ist der Leiter der Stadtteilbibliothek, Arno van Rijn (Bild). Und er ist sehr bescheiden. Deshalb drückt er sich auch gern hinter Mauernvorsprüngen herum, während die anderen das Rampenlicht genießen. Naja, um der Wahrheit willen sei hier angemerkt, dass Herr van Rijn in der äußersten Ecke des »Lesesaals« am Mischpult für den guten Ton sorgte. Und diese äußerste Ecke hatte eben jenen kleinen Mauervorsprung.

28. Oktober 2009

In Leipzig habe ich Prof. Dr. Michael Tsokos kennengelernt, den Chef der Rechtsmedizin der Charité in Berlin. Mit ihm zusammen habe ich bei Lehmanns Buchhandlung gelesen in der "Krimi-Nacht der Rechtsmediziner". Der echte (Tsokos) las aus seinem Buch "Dem Tod auf der Spur", in dem er echte Fälle der Rechtsmedizin schildert, dann kam Pascha. Ich hatte den Eindruck, das Publikum würde nur dann umschulen, wenn das echte Leben so wäre wie im Kühlfach 4. »In echt« ist die Rechtsmedizin sicher für die meisten von uns zu deprimierend.
Leipzig ist natürlich immer eine Reise wert, aber die fast 14 Stunden Zugfahrt für eine Abendveranstaltung sind schon sehr aufwendig. Fast zwei komplette Arbeitstage auf der Schiene und das in einer Zeit, in der ich gerade mit meinem neuen Roman anfange (dazu später mehr...). Auf der Hinfahrt habe ich im Zug gearbeitet (sprich: geschrieben), auf der Rückfahrt gelesen.
Zum Glück sind die modernen ICE's ja super bequem und schnell - wenn auch leider die Buchung eines Sitzplatzes in der Ruhezone keinerlei Garantie für Ruhe ist. Obwohl überall Schilder mit durchgestrichenen Handys hängen, müssen ganz viele Leute trotzdem ganz viele wichtige Telefongespräche führen. Zum Beispiel diese: »Ja, ich bin's. Hör mal, Mensch, was ist denn die Verbindung so schlecht, ja, hörst du mich? Ich, also, hallo? hallo? HALLO??? Ja, ich wollte nur sagen, dass ich jetzt im Zug sitze. Ich komme dann wie besprochen. Ja, WIE BESPROCHEN!!! Ja, also bis dann.«
Die Verbindung in den Ruhezonen des ICE ist übrigens wohl deshalb so schlecht, weil die üblichen "Signalverstärker" (ich glaube, die Geräte heißen repeater) in diesen Wagen fehlen. Deshalb fallen alle Gespräche, die in den RUHEzonen geführt werden, auch immer besonders laut aus - weil ja die Verbindung so schlecht ist. In anderen Ländern gibt es auch Ruhezonen im Zug. In Japan herrscht dort totales Sprechverbot. An manchen Tagen erwäge ich ernsthaft, nach Japan zu ziehen. Andererseits bin ich kein Freund von sushi...

23. Oktober 2009

Die Lesung in Laubach war schon eine schräge Sache. In einem Café, in dem die Bedienung noch ganz in Schwarz (Rock, nicht Hose!) mit weißem Schürzchen gekleidet war, habe ich Pascha von der Leine gelassen. Ein verbaler Kulturschock, den die Leute vom Café Göbel aber gut überstanden haben. Dort hat alles Stil. Die Einrichtung, die Deko und vor allem das hausgemachte Brot, Feingebäck und die Pralinen, die ich abends schon vernascht habe. Die Brötchen durfte ich dann beim Frühstück probieren, denn das Café Göbel ist auch ein Hotel. Sehr praktisch, wenn man nach der Lesung gar nicht mehr durch dunkle, kalte Straßen zum Hotel huschen muss, sondern einfach eine Treppe hochsteigen und sich in ein bequemes Bett legen kann. Schlafen kann ich direkt nach einer Lesung natürlich nicht, dazu bin ich zu aufgedreht. Erst lesen, dann lesen, dann schlafen. Gute Nacht.

20. Oktober 2009

Meine erste Lesereise ins Ausland. Italien. Tja, jetzt wundern Sie sich. Ist Kühlfach 4 schon übersetzt? Spricht die Autorin auch Italienisch? Die Antworten lauten: nein, nein. Es ist so ähnlich wie bei Asterix. Ganz Italien ist italienisch. Ganz Italien? Nein! Im nördlichen Zipfel des Landes gibt es einen Volksstamm, der sich fleißig widersetzt. Die Südtiroler. Und die sprechen Deutsch. Also fast alle. Bis auf die Italiener, die es in Südtirol auch gibt. Ziemlich kompliziert das Ganze. Jedenfalls gibt es in Südtirol tolle Berge, nette Menschen, gutes Essen und eine Stadtbibliothek in Meran, die von sehr engagierten Menschen betreut wird. Und die haben einen Krimiherbst organisiert und mich dazu eingeladen. Da sagt man ja nicht nein! Die Lesung hat bewiesen: Die Südtiroler haben Humor und zwar so ziemlich die gleiche Art wie ich, denn sie haben sich während der Lesung schlapp gelacht. Ich musste mich ganz schön zusammenreißen, um nicht selbst dauernd loszukichern. Aber ich hab's geschafft!

29. September 2009

Heute ist ein toller Tag! Ich habe den Vertrag für das 3. Kühlfach unterschrieben. Ja, ich weiß, der zweite Band mit der rotzfrechen Leiche und dem bedauernswerten Rechtsmediziner ist noch gar nicht auf dem Markt (erscheint erst am 1. Dezember), aber mein Verlag hat mir bereits den dritten Teil in Auftrag gegeben. Der Arbeitstitel lautet "Kühlfach zu vermieten". Mehr verrate ich aber jetzt noch nicht. Der Erscheinungstermin ist irgendwann zwischen November 2010 und November 2011. Tja, genauer weiß die Autorin das auch noch nicht. Sie hofft halt, dass es nicht allzu lange dauert, aber da die Erscheinungstermine immer von ganz vielen Faktoren abhängen, zittert sie quasi bis zuletzt. Drücken Sie die Daumen!

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